IM AUGE DES ORKANS

Erdbeben in Japan, Terror in New York, Feuersbrunst in Russland: Wann immer bisher ein Unglück hereinbrach, konnte die Münchener Rück ihre Tresore öffnen und für die Schäden zahlen. Doch inzwischen wird für den weltgrößten Rückversicherer der Klimawandel zu einem immer größeren Risiko. Text: Vito Avantario, Fotos: Olaf Unverzart, http://www.unverzart.de

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Als Angelika Wirtz an diesem ungewöhnlich warmen Wintertag im Februar in das feudale Gebäude ihres Arbeitgebers kommt, weiß sie nicht, welche Katastrophen sie heute erwarten: Sie geht durch das Holztor in der Münchener Königinstraße 107 und steht dann in diesem Glaskubus, dessen 250 Kilogramm schwere Flügeltür Herr Baumann vom Sicherheitsdienst mit einem freundlichen „Guten Morgen” öffnet. Die Tür sei nicht einfach nur ein Zugang. Herr Baumann nennt sie im Polizeisprech „Sicherheitsfeature”. Der Glaswürfel mit dem daumendicken Panzerglas wurde 1977 eingebaut und ist ein Relikt aus Zeiten, als die Rote Armee Fraktion es auf Vertreter des Klassenfeindes abgesehen hatte, auf Politiker und Wirtschaftsbosse, auch auf Spitzenmanager der Munich Re, die damals noch Münchener Rück hieß.

Das Unternehmen mit Sitz am Englischen Garten ist der weltweit größte Rückversicherer. Er deckt die Risiken von Erstversicherern ab wie des Deutschen Rings oder der Allianz. Dort versichert der Mensch die Risiken des Alltags – sein Auto, sein Haus, sein Leben. Der Erstversicherer wiederum versucht, sein unternehmerisches Risiko so klein wie möglich zu halten, indem er sein Versicherungsgeschäft durch Rückversicherer abfedert.

Die wetterbedingten Katastrophen gehören inzwischen zu den größten Risiken der Munich Re. Es ist unbestritten, dass das Klima sich verändert und der Mensch dazu beiträgt, sagt Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. Um einschätzen zu können, mit welcher Wahrscheinlichkeit und Intensität Naturereignisse eintreten, beschäftigt der Rückversicherer in der Abteilung 30 Wissenschaftler, darunter Meteorologen, Geografen, Geologen und Hydrologen. Sie gehören zu den weltweit gefragtesten Experten in Sachen Klima. Auch die Kollegen des PotsdamInstituts für Klimafolgenforschung verbeugen sich vor deren Arbeit: Was die leisten sei eigentlich Aufgabe der UNO, sagt man dort. Natürlich aber hat der Versicherer ein Eigeninteresse daran, möglichst genaue Daten über Risiken wie den Klimawandel zu sammeln, denn von der präzisen Arbeit seiner Mitarbeiter hängt letztlich der wirtschaftliche Erfolg des gesamten Unternehmens ab.

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Seit 17 Jahren leitet Angelika Wirtz, 52, das Lagezentrum der Abteilung Georisikoforschung. Bei ihr laufen alle Informationen über Katastrophen zusammen. Während sie noch in ihrer Wohnung im behaglichen München frühstückte, brach auf der anderen Seite der Erde die Apokalypse über den Norden Japans herein. Die Ziffern ihres Weckers zeigten 6 Uhr 45, als das Erdbeben Gebäude wie Kartenhäuser umwarf, Menschen verschüttete und einen gewaltigen Tsunami auslöste. Jetzt am Freitagmorgen bekommt Wirtz in ihrem dunklen, schmalen Büro der Münchener Konzernzentrale erste Daten vom National Earthquake Information Center in Colorado: ein Atomkraftwerk brennt, Straßen sind aufgerissen, Wasserrohre geplatzt, Stromleitungen gekappt, es gibt tausende Tote und Vermisste. Es ist das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans. Das Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und 400 Kilometer nordöstlich von Tokio.

Im letzten Jahr hat Wirtz 950 Katastrophen in die NatCatSERVICEDatenbank der Munich Re eingegeben. Sie ist mit 29.000 Datensätzen die weltweit größte und detailreichste Sammlung von Informationen über Naturkatastrophen. Wie ein Schatz wird in den Serverräumen des Risikospezialisten aus München das Wissen über jeden Sturm, jedes Erdbeben, jedes Hochwasser, jede Feuersbrunst gehütet. Mithilfe der gigantischen, sich ständig vergrößernden Datenmenge über Naturkatastrophen versuchen die Forscher und Analysten der Munich Re, von Naturereignissen der Vergangenheit auf die Gefahren der Zukunft zu schließen: Will Ikea seine Filialen in Japan versichern, erstellen die Analysten des Rückversicherers ein Risikomodell, das die Wahrscheinlichkeiten von Zyklonen, Erdbeben und Tsunamis berücksichtigt; plant Enercon Windkraftanlagen in indischen Küstengebieten, kalkulieren sie die dortigen Monsunrisiken; hat Petrobras vor, im Golf von Mexiko nach Öl zu bohren, berechnet die Munich Re die Risiken von Tropenstürmen und Ölkatastrophen. Je größer die Wahrscheinlichkeit für Katastrophen, desto höher ist die Prämie, die der Kunde zahlen muss.

„Wenn wir unsere Daten sammeln, verlassen wir uns nicht nur auf Nachrichten aus den Medien. Wir haben eigene Quellen, die uns beliefern: Presseagenturen, wissenschaftliche Institute, meteorologische und seismologische Dienste”, betont Angelika Wirtz. Zudem hat die Munich Re 60 Außenstellen in der Welt, die im Fall von Naturkatastrophen ihre Recherchen in die Konzernzentrale nach München senden. Pro Naturereignis sammelt Wirtz so bis zu 200 Einzelinformationen, die, wie Puzzleteile zusammengesetzt, das Katastrophenpanorama zeigen: Koordinaten, Verlauf, Niederschlagsmengen, Luft- und Wassertemperaturen, Windstärken, Todesfälle, Verletzte, Vermisste und schließlich die für Versicherer wie die Munich Re letztlich ausschlaggebenden Größen: Schäden an Gebäuden, Infrastruktur, Betriebsausfälle und sonstige volkswirtschaftliche Folgen.

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Die Diagramme und Grafiken auf Wirtz’ Computerbildschirm belegen, dass das letzte Jahr mit rund 95 Milliarden Euro zu den sechs schadenintensivsten seit 1980 gehörte. Neun Zehntel aller Katastrophen des letzten Jahres waren wetterbedingt: Stürme, Unwetter oder Überschwemmungen. Zugleich war es das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen vor 130 Jahren. Die Zahl geophysikalischer Naturereignisse wie das Erdbeben in Japan hat sich dagegen kaum verändert. „In Asien, Nord- und Mittelamerika und Australien nehmen Naturkatastrophen zu. Die wirtschaftlichen Schäden steigen dabei vor allem in Asien, weil hier die Bevölkerungen stark wachsen und immer mehr Menschen Risikogebiete besiedeln”, sagt Wirtz. Das zentrale Risiko für die Munich Re ist der Mensch.

Er heizt zum einen das Klima an und sorgt für immer häufigere, immer stärkere Naturereignisse. Zugleich setzt er sich diesen Gefahren immer leichtsinniger aus. Beispielhaft dafür ist das mexikanische Fischerdörfchen Cancún, in dem die letzte Weltklimakonferenz stattfand: Es wurde zur Tourismushochburg aufgerüstet, obwohl es in einer der Zugbahnen von Hurrikanen liegt. Die Besiedlung des Gangesdeltas oder der Bevölkerungszuzug an die Ostküste der USA sind weitere Beispiele dafür, das Hurrikane oder Überschwemmungen erst dadurch von einem Naturereignis zur Naturkatastrophe werden, weil Menschen in riskanten Gegenden siedeln, meint Wirtz. Doch nicht jede Katastrophe, bei der auch Menschen zu Schaden kommen, kostet die Munich Re automatisch viel Geld: Bei dem letztjährigen Erdbeben in Haiti starben 220.000 Menschen. Der Rückversicherer hatte aber kaum etwas zu zahlen, weil der Inselstaat eine schwache Infrastruktur hat, kaum Industrie besitzt und deshalb auch kaum etwas versichert ist – anders als 1906, als ein Jahrhundertbeben San Francisco in Schutt und Asche legte.

Viele amerikanische Rückversicherer gingen damals Bankrott, weil sie ein derartig starkes Beben nicht für möglich gehalten hatten. Aus Deutschland reiste Carl von Thieme an, der 1890 die Münchener Rück und zehn Jahre später die Allianz Versicherung gegründet hatte, und regelte die Angelegenheit, wie man es unkomplizierter nicht tun kann: Er zückte einen Scheck über elf Millionen Mark, unterschrieb ihn mit der blauen Tinte seines Füllers und beglich so seinen Anteil am Gesamtschaden. Die Amerikaner waren beeindruckt von der Seriosität des deutschen Versicherers.

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Inzwischen ist die Munich Re zum größten Rückversicherer der Welt geworden. Rund um den Globus beschäftigt das Unternehmen heute 47.000 Mitarbeiter in 100 Berufen, darunter Ingenieure, Ärzte, Feuerwehrmänner, Kunsthistoriker, Soziologen, Pharmazeuten, Chemiker und Mathematiker. In der Münchener Konzernzentrale arbeiten 3867 Menschen. An einem normalen Arbeitstag sieht man die Mitarbeiter um die Mittagszeit durch die Gänge des Konzerns nicht bloß gehen – nein, sie flanieren: Die vielen Gebäude der Munich Re in Schwabing sind durch ein unterirdisches Tunnelsystem miteinander verbunden. Jede dieser Passagen wurde von einem Künstler gestaltet. In den vielen anderen eleganten Fluren des Hauptgebäudes hängen Werke internationaler Größen wie Gerhard Richter und Jenny Holzer. Im Eingangsbereich des Gebäudes in der Königinstraße hat der Maler Max Eichler 1912 ein Wandfresko geschaffen, das den Titel „Kampf der Elemente” trägt. Darauf sind Menschen zu sehen, die verzweifelt gegen die Kräfte der Natur ankämpfen. „Versicherer haben eben die teuerste Kunst an den Wänden und den besten Wein im Keller”, witzelt ein Mitarbeiter. Der Munich Re, will er damit sagen, geht es gut.

Das Mittagessen gehört zu den gepflegten Ritualen der Mitarbeiter des Hauses. Die meisten von ihnen sind auf Wochen hinaus verabredet. Jeden Tag werden sie in der mit Designerstühlen ausgestatteten Kantine auf Kosten des Hauses mit einem Menü versorgt, während der Vorstand im sogenannten Casino speist. Dort sind unter den Tischen Klingelknöpfe montiert, mit denen den Kellnern signalisiert werden kann, wann es an der Zeit ist zu servieren. Damit kein falscher Eindruck entsteht, lässt die Presseabteilung des Konzerns wissen, es sei ein wesentlicher Zweck dieser Sonderräume, vertrauliche Gespräche mit Kunden zu führen. Mit dem Klingeln zeigen die Vorstandsmitglieder an, wann die Gespräche unterbrochen werden können, sodass mit dem Essen oder dem nächsten Gang begonnen werden kann. Für seine stets auf korrekte Etikette bedachten Mitarbeiter hat der Konzern nach der letzten Vogelgrippe sogar Desinfektionsmittelspender in den Fluren aufgestellt, mit denen sie sich die Hände reinigen sollen. Nichts überlässt die Munich Re eben gern dem Zufall. Doch als vor sechs einen Hurrikan Jahren Hurrikan Katrina über New Orleans hereinbrach, war auch die Munich Re überrascht.

Die Analysten hatten einen derartig großen Schaden zwar in Miami für möglich gehalten. Dass die Stadt am Mississippi zerstört werden könnte, hielten sie hingegen für unwahrscheinlich. Die Katastrophe biblischen Ausmaßes liest sich in Angelika Wirtz nüchterner NatCatSERVICEDatenbank heute so: „80 Prozent von New Orleans überflutet. Zahlreiche andere Städte überschwemmt. Hunderttausende Gebäude, Häuser beschädigt/zerstört. Millionen Bäume und Stromleitungen geknickt. Deichanlagen auf 270 km beschädigt, teilweise gebrochen. 90 Prozent der Ölförderung im Golf von Mexiko eingestellt. Öltanker leck geschlagen. Telekommunikation unterbrochen. Autobahnbrücke zusammengestürzt. Fabriken, Geschäfte geschlossen. Flugverkehr unterbrochen, Gleisanlagen zerstört. Abwassersystem zerstört. Millionen Menschen obdachlos, 1,5 Millionen evakuiert.” Mit einem Gesamtschaden von 100 Milliarden Euro war Katrina – jedenfalls bis zum Erdbeben in Japan – die teuerste Katastrophe aller Zeiten. Versichert davon waren insgesamt 44 Milliarden, 1,6 Milliarden Euro deckte die Munich Re ab. Überrascht war der Konzern vor allem von der Summe der „Betriebsunterbrechungsschäden” und deren Auswirkungen auf die globale Industrie. Über eine derartige Verzahnung der Weltwirtschaft mit der Region am Mississippidelta war man sich in München nicht im Klaren gewesen.

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„Unsere Datenbank ist kein Orakel, das man über die genauen Entwicklungen in der Zukunft befragen kann. Sie dokumentiert vergangene Ereignisse”, sagt Peter Höppe. Der Meteorologe hat auf der Visitenkarte „Prof. Dr. Dr.” vor seinem Namen stehen und ist Leiter der Abteilung Georisikoforschung. Höppe hat eine ernste Miene, wenn er über Klimatrends spricht, was seine Gesamterscheinung ambivalent macht, weil er im Kontrast zu seiner Ernsthaftigkeit eine Krawatte mit lustigen Pinguinen trägt. In Wissenschaftskreisen ist Höppe als jemand bekannt, der Dinge nicht dramatisiert. Vielleicht haben seine Einschätzungen gerade deshalb besonderes Gewicht, er sagt: „Wir befürchten kein Klimachaos, jedenfalls nicht in den nächsten 30 bis 40 Jahren.” Sollte das Klima aber an die Tippingpoints geraten – jene Kipppunkte, die einen unumkehrbaren Wandel auslösen – könne heute niemand genau vorhersagen, was in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts geschieht. „Wenn große Zirkulationssysteme wie der Golfstrom oder das asiatische Monsunsystem kollabieren, kommen nicht nur auf die Munich Re unüberschaubare Risiken zu – sondern auf die gesamte Menschheit,” sagt Höppe. Der Anstieg wetterbedingter Katastrophen ist für ihn ohne den menschlichen Einfluss aufs Klima nicht zu erklären. Die Hurrikansaison 2010 war, gemessen an der Zahl und Intensität der Stürme, eine der heftigsten der vergangenen 100 Jahre: Insgesamt zählte Höppes Forschungsteam 19 benannte Tropenstürme. Nur 2005 (28) und 1933 (21) waren es mehr.

Um diese zunehmenden Klimarisiken abzufedern, platziert die Munich Re auch Katastrophenbonds an den Finanzmärkten. Dabei zahlt sie Anlegern eine Prämie dafür, dass sie die Last der Katastrophenrisiken nicht allein schultern muss. Die Bonds funktionieren wie eine Wette: Wer ein solches Papier kauft, setzt darauf, dass eine bestimmte Naturkatastrophe nicht eintritt. In diesem Fall erhält der Anleger einen Zins von zehn Prozent und höher. Kommt es doch zum Hurrikan, Hochwasser oder Erdbeben, verliert der Investor sein Geld. Weil diese Cat-Bonds nicht an den Börsen gehandelt werden, sind sie unabhängig von Finanzmarktkrisen. Das steigende Volumen solcher Papiere ist ein Indiz dafür, dass die gesamte Versicherungswirtschaft eine steigende Zahl von Naturkatastrophen erwartet: Im vergangenen Jahr wurden weltweit neue Cat-Bonds im Wert von rund 3,6 Milliarden Euro ausgegeben. Das waren 42 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In diesem Jahr wird das Volumen weiter steigen, glauben die Risikoexperten von Nikolaus von Bomhard.

Der 55-Jährige Vorstandsvorsitzende arbeitet seit 30 Jahren für die Munich Re. Von der Wirtschaftszeitschrift Capital und der Umweltorganisation WWF wurde er 2007 zum Ökomanager des Jahres gewählt, weil er nicht nur nach Rendite, sondern auch nach hohen Umweltzielen strebt. Wie viele seiner Mitarbeiter ist auch von Bomhard ein Eigengewächs des Hauses: In den 80er-Jahren kam er nach dem Jurastudium als Trainee zur Munich Re. Heute ist er ein Versicherungsmensch durch und durch, einer, der ohne Probleme aus dem Stegreif einen mehrstündigen Vortrag über die vielen, vielen Risiken des Lebens halten kann – der aber trotz seines Wissens um die Gefahren des Alltags am 11. September 2001 vor dem Unerwartbaren kapitulieren musste.

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Von Bomhard befand sich als Vorstand in Monte Carlo unter Vertretern der weltweit mächtigsten Versicherungen, als um 8 Uhr 47 eine Boeing 767 in einen der beiden Türme des World Trade Centers krachte. Wie die Munich Re waren auch alle anderen Versicherer in ihren Kalkulationen bis dahin immer nur vom sogenannten „kleinen Terror“ ausgegangen. In Großbritannien oder Spanien hat sich die Versicherungswirtschaft schon lange auf den regionalen Terrorismus der IRA oder der ETA eingestellt. Ein Unglück im World Trade Center war bei der Münchener Rück als Sturm-, Unfall- und Feuerschaden durchgerechnet worden. Man hatte sogar kalkuliert, was es kostet, wenn ein Flugzeug in einen der Türme fliegt und zehn Etagen ausbrennen. Dass aber beide Türme von Flugzeugen angegriffen, brennen und vollständig kollabieren – dieses Szenario hatte bei der Munich Re niemand durchgespielt. Von diesem Moment an waren in den Köpfen der Forscher und Analysten auch Anschläge auf den Kanaltunnel möglich, auf Staudämme, Hängebrücken, Bohrtürme – und auf Atomkraftwerke, deren Bau die Munich Re gemeinsam mit anderen Versicherern abdeckt, nicht aber den Super-GAU und die Folgen von atomarer Verstrahlung.

Der Arbeitstag von Angelika Wirtz neigt sich inzwischen dem Ende. Im Laufe des Tages ist das japanische Kabinett zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Kampfflugzeuge sind aufgestiegen, die Luftaufnahmen machen und einen Überblick über die Auswirkungen von Erdbeben und Tsunami einholen. Ministerpräsident Naoto Kan spricht in den japanischen TV-Nachrichten von „enormen Schäden”. Mit welchem Anteil die Munich Re beteiligt sein wird, steht noch nicht genau fest. Sicher ist nur: Wie immer, wenn es in der Welt zu Katastrophen kommt, wird der Ruckversicherer in Munchen wieder seine Tresore öffnen müssen und zahlen, so wie für den Untergang der Titanic, den Anschlag in New York – und die Feuersbrunst in Russland, die es ohne den Klimawandel wahrscheinlich nicht gegeben hätte.

DAS UNTERNEHMEN IM PORTRÄT
Die Münchener Rückversicherungsgesellschaft wurde 1880 von Carl von Thieme gegründet. Das inzwischen in Munich Re umbenannte Unternehmen hat rund 4000 versicherte Kunden in rund 150 Ländern, deren Risiken es abfedert. Um selbst finanziell nicht ins Wanken zu geraten, hat sie fast 60 Prozent ihres Vermögens von 196 Milliarden Euro in festverzinsliche Papiere angelegt. Um sich gegen Krisen der Finanzmärkte abzusichern, drückte die Munich Re nach dem platzen der Internetblase im Jahr 2003 die Aktienquote auf unter drei Prozent. Der Versicherer ist nur wenig an Banken beteiligt: Obwohl 2008 die Schrottpapiere der Lehman Brothers platzten und die Welt in die Rezession zu schlittern begann, präsentierte der Versicherer einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro. Im letzten Jahr stieg er trotz Großschäden auf 2,4 Milliarden. Um die zunehmenden Risiken des Klimawandels abzufedern, hat die Munich Re spezielle Katastrophen Papiere („Cat Bonds”) im Wert von derzeit 412 Millionen Euro platziert. Der Gesamtmarkt dieser Wertpapiere hat ein Volumen von rund 9,5 Milliarden.

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