DREI ZIMMER IN MANHATTAN

Eine kurze Buchempfehlung zwischendurch: Georges Simenons „Drei Zimmer in Manhattan“, Diogenes 2004.

Georges Simenon ist der Erfinder von Kommissar Maigret. Zwischen 1931 und 1979 schrieb er 89 Romane dieser Serie, dazu bis zu seinem Tod 2003 über 120 Non-Maigrets, notiert die Presseabteilung des Diogenes Verlags in ihrem Dossier über den belgischen Bestsellerautor. 1995 startete das Schweizer Verlagshaus eine Neuedition des Werks von Simenon mit überarbeiteten oder neuen Übersetzungen.

Dieses Buch ist der einzige Liebesroman des gelernten Konditors mit Happy-End: Ein Mann, eine Frau. Zwei verlorene Seelen in Manhattan. Vernachlässigt, vereinsamt, verzweifelt, mit dem Hang zur Alkoholsucht. Sie ehemalige Gattin eines Botschafters, er Schauspieler, dessen Stern untergeht. Beide begegnen sich in einer Bar, wechseln belanglose Worte, wanken in ein Hotelzimmer, verbringen diese Nacht miteinander und lassen sich nicht mehr los. Die drei Räume, in denen sich die beiden von nun an treffen sind so mager möbliert wie Simenon erzählt.

Tisch, Stuhl, Lampe. Von einer spärlich beschriebenen Szene in die nächste gerät der Mann zweifelnd, doch unaufhaltsam in die Abhängigkeit der Frau, die ihn dankbar in ihr ausgetrocknetes Herz aufsaugt. Tiefer und tiefer verwebt sich seine verwundete Seele mit ihrer, bis er sich ihr ergibt.

Simenon war bekannt für die psychologische Akribie, mit der er die Abgründe seiner Protagonisten sezierte. Kulissen, in denen sich seine Figuren bewegen und Motive, die sie treiben, liefert er kaum. Alles malerische sei ihm fremd, hat er einmal gesagt.

„Drei Zimmer in Manhattan“ ist ein schnell zu lesender Roman, so schnell, wie Simenon alle seine Bücher herunterschrieb. Sein Rezept: einfache Sprache, hohe Ereignisdichte, keine Sternendeuterei, nur Realismus. Sein Plan: zwei Wochen pro Buch. Ein Tag Vorbereitung. Zwölf Tage schreiben. Am letzten Tag knappe Redigierung und Glättung. Das wars. Und vielleicht noch eins: Simenon erzählt diese Geschichte aus der Sicht des Mannes.